Erinnerungsorte interdisziplinär neu denken
Studierende aus Design, Kulturmanagement, Stadtplanung und Kulturtheorie entwickeln gemeinsam neue, hybride Formate des Erinnerns.
Projektidee und Hintergrund
Das de:colonial monuments lab denkt Erinnerungsorte und Erinnerungskultur interdisziplinär neu: Studierende aus Design, Kulturmanagement, Stadtplanung und Kulturtheorie entwickeln gemeinsam neue, hybride Formate des Erinnerns, die über das Semester hinaus wirken sollen.
Im Zentrum steht dabei ein kritisches Lernen und Verlernen: Wie ist unser Blick auf Geschichte bislang geprägt – und wie lässt er sich verändern? Das Projekt macht dabei gezielt Lücken der aktuellen, öffentlichen Erinnerungskultur sichtbar und entwickelt daraus neue Formen, wie Kolonialgeschichte im Stadtraum erfahrbar werden kann.
Warum Baakenhafen?
Der Baakenhafen in Hamburg ist heute vor allem als moderner Wohn- und Freizeitort in der HafenCity bekannt – mit Blick aufs Wasser, Cafés und Promenaden. Kaum sichtbar ist dagegen seine Geschichte: Zwischen 1904 und 1908 liefen von hier aus über 90 Prozent aller Truppentransporte zum deutschen Kolonialkrieg in „Deutsch-Südwestafrika“ (heutiges Namibia) aus – ein Krieg, der im Völkermord an den Herero und Nama endete.
Der Historiker Jan Kawlath hat den Baakenhafen deshalb als zentralen „Inszenierungsort“ deutscher Kolonialherrschaft beschrieben: Hier wurde koloniale Machtausübung öffentlich zelebriert, mit Musikkapellen, Reden und jubelnden Zuschauer:innen am Kai.
Genau diese Lücke zwischen unsichtbarer Geschichte und sichtbarer Gegenwart macht den Ort zum idealen Ausgangspunkt für das de:colonial monuments lab: Am Baakenhafen lässt sich exemplarisch untersuchen, wie Städte mit kolonialer Vergangenheit umgehen – und wie sich das durch künstlerische und gestalterische Praxis verändern lässt. Wie kann ein Ort, dessen Vergangenheit jahrzehntelang verschwiegen wurde, wieder Teil unserer gemeinsamen Erinnerung werden?
Beteiligte Hochschulen und Studierende
Projektleitung
Vera Heimisch (sie/ihr) arbeitet seit Mai 2022 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut KMM. Als Kulturanthropologin und künstlerische Produktionsleiterin liegt der Schwerpunkt ihrer Projekte auf der Schnittstelle zwischen Postcolonial Studies, Dekolonisierungsprozessen und Kulturproduktion. Vera koordiniert künstlerische sowie wissenschaftliche Projektformate für Festivals, Künstler:innen und Institutionen, z.B. steirischer herbst, Heidelberger Stückemarkt, Hajusom, Museum Treptow u.a.. Sie studierte Kulturanthropologie, Kunstgeschichte und Transkulturelle Studien in Graz (Österreich), Cali (Kolumbien) und Bremen (Deutschland).
Kajan Luc (sie/ihr) arbeitet als Designerin, Kuratorin, Dramaturgin und Dozentin mit Fokus auf macht-, rassismus- und kolonialkritischen Gestaltungpraktiken. In multimedialen Interventionen verhandelt sie gegenwärtige Fragen von Klima(un)gerechtigkeit, Erinnerungskultur und Diskriminierung. Als Mitinitiatorin des de:colonial monuments labs verbindet sie ihre Tätigkeit als Dozentin mit dramaturgischer Praxis. Sie ist künstlerische Leiterin des preisgekrönten Festivals KLIMASTRÖME (Hamburger Stadtteilkulturpreis 2025) und Teil des Designkollektivs studioplayces, das spekulative Installationen u. a. für die Klima Biennale Wien, Deichtorhallen Hamburg, MARKK, Kampnagel und das PLAY Creative Gaming Festival entwickelt.
Förderung und Partner:innen
Ermöglicht wird das de:colonial monuments lab durch eine Förderung des Hochschulfonds der Claussen-Simon-Stiftung. Realisiert wird es in Zusammenarbeit mit der Behörde für Kultur und Medien Hamburg (BKM), Abteilung Erinnerungskultur, vertreten durch Dr. Jonas Prinzleve, und dem Kunst- und Forschungsfestival KLIMASTRÖME.
Projektmitarbeit: Anisa Sharif (sie/ihr) ist seit Januar 2026 als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut KMM (HfMT) tätig. Zuvor absolvierte sie im Mai 2025 ihr Bachelorstudium in Kiel in den Fächern Europäische Ethnologie/ Empirische Kulturwissenschaft und Politikwissenschaft. Seit Oktober 2025 setzt sie an der Universität Hamburg das Studium im Fach Empirische Kulturwissenschaft (Master) fort.